Unsere Kolpingfamilie

Ursprung - Zahlen - Fakten - Prognosen

- Aus der Festschrift zum 75. Jubiläum der Kolping-Familie Bochum Weitmar (2004) -

 

Adolph Kolping steht als Priester und Sozialreformer vor uns, der sein Leben und Wirken ganz auf einem religiösen Fundament, das in seiner Familie gelegt wurde, gestaltet. Am 06.05.1849 gründet er mit sieben Gesellen in der Kolumbastube in Köln den katholischen Gesellenverein, der Keimzelle des späteren Internationalen Kolpingwerkes und unserer heutigen Kolpingfamilie Weitmar.

Zu einer der ersten Gesellenvereine überhaupt zählt der 1852 gegründete Gesellenverein Bochum - Zentral, dem schon damals Weitmarer Gesellen als Mitglieder angehörten. Im Verlauf der Jahrzehnte kam immer wieder der Wunsch auf, einen eigenen Gesellenverein in Weitmar ins Leben zu rufen. Doch erst 1928 wurde der entscheidende Versuch gewagt, das geplante Werk in die Tat umzusetzen. Eine mit Datum vom 24.03.1928 versehene Niederschrift, es ist das älteste Dokument unserer Kolpingfamilie, bezeugt dieses denkwürdige Ereignis. Zwölf Weitmarer Gesellen trafen sich abends in der Gaststätte "Am Waldschlösschen" des Gastwirtes Ferdinand Ullrich mit dem Präses, Hw. Herrn Fischer, und dem Senior H. Stuhldreier vom Gesellenverein Bochum - Zentral zu einer Vorbesprechung. Diese zwölf Weitmarer Urgesteine waren Paul Althaus, Heinrich Becker, Theo Becker, Karl Brocker, Ewald Emde, Teo Feldmann, Karl Hufemann, Heinrich Kröger, Josef Reetz, Heinrich Ridder sen., Heinrich Ridder jun. und Heinrich Wauter. Den Vorsitz des in Gründung befindlichen Weitmarer Gesellenvereins übernahm Josef Reetz, die Schriftführung Paul Althaus.

Zur ersten Mitgliederversammlung des Weitmarer Gesellenvereins trafen sich am 01.04.1928 bereits 25 Gesellen. In weiteren acht Gründungsversammlungen, in denen der Präses Fischer von Bochum - Zentral und der Weitmarer Pfarrer Adolph Ostendorf öfter anwesend waren, wurde in der Zusammenkunft am 17.12.1928 Lehrer Pollmann als 1. Präses der Kolpingfamilie Weitmar von Pfarrer Ostendorf eingeführt. Die Altgesellen Theodor Feldmann, Wilhelm Füth, Hermann Keinhorst, Heinrich Kordt, Ferdinand Ullrich und Josef Vössing bildeten den Schutzvorstand.

Am 27.01.1929 wurde im voll besetzten Saal der Gaststätte "Am Waldschlösschen" ein Werbeabend für den immer noch in Gründung befindlichen Weitmarer Gesellenverein durchgeführt, in dessen Verlauf Pfarrer Ostendorf zum Ehrenpräses ernannt wurde. Im Mai 1929 wurde mit einem stattlichen Handwerkerfestzug durch die Straßen von Weitmar das Gründungsfest gefeiert. Mit diesem Fest galt die Gründung des Weitmarer Gesellenvereins als abgeschlossen. In den Folgejahren stieg die Mitgliederzahl auf 120 Gesellen an. Neben den vielen geselligen Veranstaltungen war das Hauptaugenmerk des Vereins auf Bildungsabende sowie auf die Belegung von Fach- und Meisterkursen gerichtet.

Nach der "Machtergreifung" und in der Kriegszeit kam das Vereinsleben zum Erliegen. Präses Sauerwald und Pater Werner erlebten einen Verein, der zur Tatenlosigkeit verurteilt war.

Unmittelbar nach Kriegsende sammelten sich die heimgekehrten Gesellen und fanden zurück zu ihrem alten Gesellenverein. Am 26.08.1945 trafen sich 25 Gesellen in der Gaststätte Abendroth um den Weitmarer Gesellenverein neue Impulse zu verleihen. Theodor Kröger wurde zum Senior gewählt, Vikar Kiwitt wurde erster Nachkriegspräses. Die Zeiten hatten sich grundlegend geändert. So wurde auch aus dem ehemaligen Gesellenverein die heutige Kolpingfamilie. Bald war die alte Mitgliederstärke wieder erreicht. Unter Präses August Halbe und Senior Wilhelm Sendt konnte unter großer Teilnahme der gesamten St. Franziskus - Gemeinde, des Bezirks und der benachbarten Kolpingfamilien das 25-jährige Jubiläum gefeiert werden. Ein Handwerker - Festzug durch Weitmars Straßen sowie eine Feier im Festzelt auf dem ehemaligen Ziegeleigelände an der Wasserstraße rundeten das Jubiläum ab.

Nach Präses Vikar Halbe folgte in diesem Amt Präses Adrian Metzemaekers. Nach Senior Wilhelm Sendt waren Helmut Brodowski, Heinrich Korff, Ferdinand Ullrich, Hubert Kröger, Rudi Sindermann und Bruno Struth Senior. Durch eine weitere Satzungsänderung wurde aus dem bisherigen Senior nominell der 1. Vorsitzende an der Spitze des Gesamtvorstandes. Diesem zur Seite stehen neben Schriftführer und Kassierer u. a. die Sachgruppenleiter für Ehe und Familie, Beruf und Arbeit, Gesellschaft und Politik sowie Kultur und Freizeit.

Als erster bekleidete Ferdinand Ullrich dieses neu geschaffene Amt des 1. Vorsitzenden ab 1968. Präses der Kolpingfamilie war bereits seit 1963 Pfarrer Franz-Josef Schwiete. Besonders mit seinen Sachgruppenleitern dynamisiert Ferdi Ullrich das gesamte Vereinsleben. Unvergessen bleiben die vielen Studienfahrten.

Das Kolpingwerk weist inzwischen in seinen Strukturen und Aktivitäten andere Akzente auf. Beispiel dafür ist 1972 eine weitere Satzungsänderung. Erstmals können Mädchen und Frauen in die Kolpingfamilie aufgenommen werden. Am 01.01.1983 wurde ein Mitgliederstand von 304 Kolpingbrüdern und -schwestern erreicht.

Bis einschließlich 1974 feierte die Kolpingfamilie Karneval mit eigenem Programm und Tanzkapelle in der Gaststätte Rost bzw. ab 1965 im Vereinslokal Abendroth. Ab 1975 feiern wir bis heute Karneval im Pfarrheim zusammen mit der KAB und dem Kirchenchor unter dem Namen "KiKaKo". In den 70iger und 80iger Jahren wurde auf dem Schießstand ein Schützenkönig ausgeschossen, bei gelegentlichen Fußballturnieren brachten wir Pokale mit nach Hause, auf Bezirks- und Diözesanebene errang unsere Kegelmannschaft erste Plätze im Einzel und in der Mannschaftswertung. Unsere Tischtennismannschaft gewann von 1990 - 1994 fünfmal hintereinander den "Dahlhauser Diözesanpokal".

Anlässlich unseres 50. Stiftungsfestes am 20.05.1979 zelebrierte Bischof Dr. Franz Hengsbach in unserer Pfarrkirche ein Pontifikalamt. Diesem schloss sich ein Festakt im Pfarrheim an. Die Festwoche endete am 26.05. mit einem Jubiläumsball im Pfarrheim.

Am 24.01.1987 wird der frühere Senior Wilhelm Sendt für drei Jahre in das Amt des 1. Vorsitzenden berufen. Er stellt sich noch einmal total in den Dienst der Kolpingfamilie.

Am 27.01.1990 wird Peter Flegel zum 1. Vorsitzenden der Kolpingfamilie gewählt. Mit ihm zusammen fliegen zwei Kolpingbrüder und eine Kolpingschwester zur Seligsprechung Adolph Kolping (27.10.91) nach Rom. Dadurch war unsere Kolpingfamilie mit ca. 50.000 anderen Kolpingbrüdern und -schwester aus aller Welt bei den dortigen Feierlichkeiten vertreten.

Am 13.03.1999 gibt Präses Pfarrer Franz-Josef Schwiete aus Gesundheitsgründen sein Mandat nach 36 Jahren zurück und wird spontan zum Ehrenpräses ernannt. Bis zu seinem Tode am 08.01.2002 übt er dieses Amt aus. Er hat sich um unsere Kolpingfamilie sehr verdient gemacht. Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

Nach einer Vakanz von drei Jahren ohne Präses erklärt sich Pfarrer Norbert Humberg am 09.03.2002 zur Übernahme dieses Amtes bereit. Wir sind froh und dankbar mit Pfarrer Norbert Humberg einen neuen Präses zu haben.

Als Kolpingfamilie geben wir nach wie vor allen Bürgern und Bürgerinnen die Möglichkeit, ihre eigene Persönlichkeit zu entfalten und zu entwickeln. Dabei sind wir offen für alle Menschen und deren Erfahrungen und Visionen, wenn sie sich mit unseren Grundlagen identifizieren und unsere Zielsetzungen verwirklichen wollen. Solche Offenheit schafft Vielfalt in unserer Gemeinschaft. Eine Besonderheit der Kolpingfamilie ist, dass wir nicht nur Toleranz gegenüber anderen Konfessionen wahren, sondern vielmehr bewusstes gemeinsames Leben und Handeln in den Vordergrund stellen. Dabei ist das Wirken der konfessionsverschiedenen Mitglieder unserer Kolpingfamilie im Sinne der Ökumene konfessionsverbindend.

Wie seit jeher laden wir auch heute alle, die Interesse haben, zu Vorträgen und Diskussionen, zu Geselligkeit durch Feste und Veranstaltungen oder zu Gruppenreisen, zum Wandern, Kegeln, Schwimmen als auch zur Handarbeit und zur Gymnastik herzlich ein. Wir bieten unseren Mitgliedern und Freunden in unserer Kolpingfamilie einen Platz, wo Gemeinschaftssinn und Geselligkeit praktiziert werden. Durch unsere Halbjahresprogramme vermitteln wir die Möglichkeit der Teilnahme, um aus der immer anonymer und egoistisch werdenden Gesellschaft zu entfliehen.

Im Jubiläumsjahr 2004 haben wir 254 Mitglieder, das sind 123 Kolpingbrüder und 135 Kolpingschwestern. Noch sind wir die zweitgrößte Kolpingfamilie im Bezirk und eine der größten in der Diözese Essen. Die Tendenz der Altersstruktur, ohne hin sehr hoch, ist steigend. Das bedeutet, dass unsere Initiative, eine Jungkolpinggruppe sowie eine Gruppe "Junge Familie" zu gründen, hohe Priorität haben muss. Hierzu müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen sich Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren persönlichen Bedürfnissen und Wünschen wiederfinden.

Gehen wir der Zukunft mutig entgegen. Das heißt, nicht zu zögern und abzuwarten, was auf uns zukommt, sondern der Zukunft einen Schritt entgegenzugehen und neue Lösungen für veränderte Zeiten zu suchen. Genau hier und in der Jugendarbeit liegt der Schlüssel zur Sicherung der Zukunft unserer Kolpingfamilie Weitmar.