Pfarrer August Halbe

1912 - 2012

In Memoriam:

Zum 100. Geburtstag des 1. Pfarrers und Erbauers der Heimkehrer-Dankeskirche

Pfarrer August Halbe

Geboren wurde August Halbe 17. März 1912 in Ottfingen im Erzbistum Paderborn als 6. Kind von 10 Geschwistern. 1932 machte er in Attendorn das Abitur. Nach dem Theologiestudium empfing er am 7. Januar 1940 durch Erzbischof Kasper Klein im Dom zu Paderborn die Priesterweihe. „Sein ‚Adsum’ – Hier bin ich – kam aus der Tiefe seines Herzens im Glauben an Jesus Christus,…“, so beschrieb es sein langjähriger Weggefährte Pfarrer Leonhard van der Velden (gestorben am 7. Dezember 2009 in Kevelaer) in seiner Predigt am Begräbnistag in seinem Heimatort Ottfingen. In Ottfingen konnte Halbe dann am 14. Januar 1940 auch seine Primiz, also die erste heilige Messe, feiern. Erste seelsorgliche Erfahrungen machte Halbe dann in Magdeburg. 1940 wurde er schließlich zum Sanitätsdienst nach Tapiau (Ostpreußen) eingezogen. Van der Velden beschrieb ihn als hilfsbereiten Kameraden an der Front in Frankreich und Russland. Am 30. August 1944 kam er mit van der Velden beim 2. großen Zusammenbruch der 6. Armee in Rumänien in russische Kriegsgefangenschaft. In seinem Buch „5 Jahre als Kriegsgefangener Priester im Ural“ schildert Halbe später seine Erinnerungen an die Kriegsjahre. Im Vorwort resümiert Halbe: „Der Priesterberuf gab meinen Gefangenschaftsjahren eine besondere Note. Ich höre nicht gerne, wenn Heimkehrer sagen, die Zeit der Gefangenschaft sei eine verlorene Zeit gewesen.“ Van der Velden, den Halbe in seinem Buch liebevoll ‚Bruder Leo’ nannte, bekannte: „Die Gefangenschaftsjahre haben uns Gottes unmittelnahe Nähe erfahren lassen, uns reifer gemacht zum Zeugnis für den Glauben an den einen Herrn Jesus Christus.“ Seine Heimkehr schilderte Halbe in seinen Niederschriften so: „Am Vormittag des 6. Dezember 1949, dem Fest des hl. Nikolaus traf ich auf dem Heimatbahnhof ein. Gern wäre ich den zwei Kilometer weiten Weg zum Heimatdorf allein hinaufgegangen. Doch es hatte jemand von der Bahnstation zum Dorf telefonisch die Nachricht von meiner Ankunft durchgegeben. So kamen die Eltern, Geschwister, Nachbarn und dann in immer dichteren Scharen die Dorfbewohner mir entgegen. Der abgetragene russische Watteanzug und die Pelzmütze hatten mich noch nicht unkenntlich gemacht. … Der ganze Zug folgte mir am Elternhaus vorbei zur Kirche, um mit mir Gott zu danken und das Lied anzustimmen: ‚Großer Gott wir loben Dich!’“ Weiter bekennt Halbe: „Ich bin überzeugt, dass mehr die Gebete der Heimat als das Wohlwollen der Siegermächte im Osten unsere Heimkehr erwirkt haben.“ Vom 15. April 1950 an war er Kaplan in der Pfarrgemeinde St. Franziskus Bochum-Weitmar, wo er mit vielen Heimkehrern danksagen wollte im Bau einer Heimkehrer-Dankeskirche im Ortsteil Mark-Neuling, die am 12. Dezember 1959 auf das Patrozinium „Heilige Familie – Heimkehr aus Ägypten“ geweiht wurde. Dort wurde er am 6. Januar 1960 zum Pfarrer ernannt. Dem unnachlässigen Beharren August Halbes ist der Kirchbau zu verdanken. Für viele Menschen ist die Heimkehrer-Dankeskirche als „lebendiger Dankaltar“ bis heute ein Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern. Beim 7. Heimkehrertreffen 1967 konnten Tafeln mit den Namen zahlreicher Kriegsgefangenenlager in Ost und West in die Gedenkstätte in der Krypta getragen werden. Am 6. Juli 1969 musste Pfarrer Halbe aus gesundheitlichen Gründen auf seine Pfarrstelle verzichten. Sein Nachfolger als Pfarrer der Heimkehrer-Dankeskirche wurde Pfarrer Helmut-Martin Jägersberg (gestorben am 1. Mai 2010 in Bochum-Weitmar). Nach den Weitmaraner Jahren wirkte August Halbe noch fünf Jahre seelsorglich in Meinerzhagen. Am 5. August 1974 verstarb Halbe in Olpe. Die Gemeinde Heilige Familie Bochum-Weitmar wird ihrem Gründer und ersten Pfarrer ein ehrenvolles Gedenken bewahren.

 

Text: Christian Herker

Foto: Hermann Haferkamp