Kreuzweg

Der Kreuzweg in der Kirche "Heilige Familie", Bochum Weitmar-Mark

Jesus Christus hat uns in seinem Leben von der Liebe Gottes erzählt. Mehr noch: diese Liebe ist in seinem Leben deutlich geworden in seiner Hinwendung zu den Menschen, die ihm begegnet sind.
Als es zur Entscheidung kam, weil die gesetzestreuen Führer der Juden seine Botschaft von der verzeihenden und liebenden Zuwendung Gottes ablehnten, griff er nicht selber zur Gewalt, sondern blieb seiner Botschaft treu. In der Auferstehung vom Tod am dritten Tage wurde deutlich, daß Gott zu ihm und seiner Botschaft hält. So hat er den Kreislauf des Todes durchbrochen. Deshalb sprechen wir Christen von der Erlösung unserer Schuld und der Befreiung zum Leben.
Dankbar gedenken wir im Nachgehen des Kreuzweges Jesu vom Haus des Pilatus bis hinauf nach Golgota seinem Erbarmen. In dieses Erbarmen empfehlen wir unsere Lieben und alle Menschen und auch uns selber, mit unseren Sünden und unserem Leid..

Kreuzweg: Station 11. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt
  • Jesus Christus ist mit einem Mantel und der Dornenkrone bekleidet. Der Soldat hinter ihm scheint ihn zu verspotten.Derweil wäscht Pilatus seine Hände in Unschuld.
  • Nachfolge Jesu kann auch uns in Situationen führen, in denen uns Unrecht geschieht. Andererseits sind wir selber vielleicht versucht, wie Pilatus unsere Hände in Unschuld zu waschen, statt für die Gerechtigkeit aufzustehen.
  • Herr Jesus, um uns zu retten, hast du das Todesurteil des Pilatus schweigend angenommen. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Kreuzweg: Station 2

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
  • Seltsam mutet die Darstellung an: Jesus steht da, als hielte er eine Rede, wolle verkündigen. Die Schächer, die ihm das Kreuz auf die Schultern laden, wirken dagegen selbst unter der Last gebeugt.
  • Vielleicht ein Hinweis auf unser Leben, daß das Kreuz auf denjenigen zurückfällt, der es anderen auflegen will?
  • Herr Jesus, du hast willig das Kreuz getragen, das die Sünde der Menschen dir auferlegt hat. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Kreuzweg: Station 33. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
  • Jesus geht unter der Last des Kreuzes in die Knie. Und als ob nicht alles schlimm genug wäre, schlägt ihn einer der Soldaten auch noch mit der Lanze. Ein anderer steht daneben und schaut zu.
  • Jede dieser Rollen könnte ich in meinem Leben schon einmal eingenommen haben: Der, der dem, der am Boden ist, noch einen mitgibt; der, der "nur" zuschaut; oder der, der zu Boden geht unter der Last, die er zu tragen und unter den (verbalen) Schlägen oder der Distanz meiner Nächsten.
  • Herr Jesus, du bist nach dem ersten Fall aufgestanden und hast deine Last weitergeschleppt. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Kreuzweg: Station 44. Station: Jesus begegnet seiner Mutter
  • Auf dem Weg zum Kreuz gibt es eine Unterbrechung. Jesus dreht sich um zu seiner Mutter, die mit ihm leidet. Jesus wirkt stark.
  • Mit-Leid, wenn es nicht geheuchelt ist, sondern echte Solidarität, macht stark. Auch das Aushalten im Mit-leiden, ohne daß ich etwas ändern kann, hilft manchmal beiden weiter.
  • Herr Jesus, du sahst deine Mutter voller Leid am Kreuzweg stehen. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

 

Kreuzweg: Station 5
5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
  • Unser Kreuzwegbild geht sogar noch einen Schritt weiter: Simon trägt das Kreuz und Jesus steht in diesem Bild nur noch gebeugt daneben.
  • Simon von Cyrene hat sich das Kreuz nicht ausgesucht. Die Soldaten haben ihn gezwungen. Auch wir suchen uns das Kreuz unseres Lebens nicht aus - aber vielleicht können wir es annehmen: dann steht vielleicht auch einmal jemand neben uns, der mittragen hilft.
  • Herr Jesus, du hast Simon von Cyrene als Helfer angenommen, mit dir das Kreuz zu tragen. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Kreuzweg: Station 66. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
  • Auf Jesu schwerem Weg kommt es zu einer Begegnung. Veronika hält zu ihm und geht mutig zu ihm hin, um ihm einen Dienst zu erweisen. Dafür "erhält" sie sein Antlitz.
  • Schwimmen wir mit der Masse oder stellen wir uns auf die Seite unserer leidenden Brüder und Schwestern? Dann würde etwas mehr von dem Antlitz Jesu in der Welt sichtbar werden.
  • Herr Jesus, voll Güte hast du dein heiliges Angesicht im Schweißtuch der Veronika nachgebildet. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Kreuzweg: Station 77. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
  • Jesus fällt zum zweiten Mal, tiefer als zuvor. Selbst die Soldaten scheinen besorgt, ob er seinen Weg fortsetzen kann.
  • Manchmal fallen auch wir ein zweites Mal und tuen das, was wir doch eigentlich nicht mehr tun wollten. Dies schmerzt uns um so mehr, doch wir dürfen wissen, das wir nicht aus der Liebe Christi fallen.
  • Herr Jesus, im Übermaß der Schmerzen bist du ein zweites mal für uns unter dem Kreuz zu Boden gesunken. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

 

Kreuzweg: Station 8
8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen
  • Wieder eine Begegnung auf dem Weg. Doch diesmal scheint die Geste Jesu fast abwehrend zu sein. Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder.
  • Vielleicht bewegt uns manchmal die äußere Not anderer mehr, als die innere Not von uns selbst und unserer Familie.
  • Herr Jesus, mitten im eigenen Leid hast du an all die kommende Not der Mütter und Kinder deines Volkes gedacht. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

 

Kreuzweg: Station 99. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
  • Tiefer als die Male zuvor fällt Jesus. Hinter ihm steht der Mann des Gesetzes, der ihn unerbittlich auf den Weg schickt.
  • Doch nicht von der Unerbittlichkeit des Gesetzes kommt das Heil zu uns, sondern von dem Erbarmen Gottes. Daran dürfen wir immer denken, wenn wir ob unserer eigenen Sünden und Fehler am Boden zerstört sind.
  • Herr Jesus, du bist ein drittes mal unter der Last unserer Sünden zu Boden gestürzt und hast dich wieder aufgerafft. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

 

Kreuzweg: Station 10
10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt
  • Am Kalvarienberg angekommen, reißen die Soldaten Jesus die Kleider vom Leib. Doch auch diese Erniedrigung, kann ihm seine innere Würde nicht nehmen.
  • Wie oft mißachten und verachten wir den anderen, wir stellen ihn bloß und lassen nichts Gutes an ihm.
  • Herr Jesus, du hast auch die letzte Schmach des Verbrechertodes für uns tragen wollen. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

 

Kreuzweg: Station 1111. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt
  • Fast liebevoll mutet unsere Darstellung der Szene an. Doch die Realität sah anders aus.
  • Auch heute noch sieht die Realität vielerorts ganz anders aus. Menschen werden gequält und zu Tode gebracht, womöglich noch im Namen der Religion. Haben wir nichts dazugelernt?
  • Herr Jesus, du hast dich für uns ans Kreuz nageln lassen. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

 

Kreuzweg: Station 12
12. Station: Jesus stirbt am Kreuz
  • Die zwölfte Station ist anders als die anderen. Sie wird dargestellt durch das große Kreuz vor der Altarwand in unserer Kirche. Maria und Johannes stehen betend neben dem Kreuz.
  • Auch wenn wir sonntags gemeinsam Gottesdienst feiern, ist der Kreuzweg präsent durch Jesu Tod am Kreuz. Deswegen sind wir in unserem Leid auch niemals ganz allein. Weil Jesus für uns bis in den Tod gegangen ist, konnte er uns erlösen.
  • Herr Jesus, dem Willen des Vaters gehorsam, bist du am Kreuz für das Heil der Menschen gestorben. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Kreuzweg: Station 1313. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
  • Der Leichnam Jesu wird Maria in den Schoß gelegt. Die Hand Jesu öffnet sich dem Betrachter, so als wolle er uns seinen Tod hinhalten und anbieten.
  • Ergreifen wir Jesu Hand und lassen uns in dem, was wir tuen, nicht schrecken von den vielen kleinen Toden unseres Lebens und dem letzten großen Abschied?
  • Herr Jesus, dein toter Leib wurde in den Schoß deiner Mutter gelegt. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Kreuzweg: Station 1414. Station: Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt
  • Jetzt kann Jesus nichts mehr tun. Er wird getragen auf seinem letzten Weg. Aber wie einen Weizenkorn, das in die Erde gelegt wird, bringt er reiche Frucht.
  • Es gibt diese Momente in unserem Leben, in denen wir nichts mehr tun können. Wir stehen neben den Trauernden, aber können nichts sagen. Doch diese Momente auszuhalten, sie an unser Leben heranzulassen, kann reiche Frucht bringen.
  • Herr Jesus, du hast das Schicksal des Grabes mit uns geteilt; doch am dritten Tag bist du auferstanden von den Toten. Wir bitten dich: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Eine 15. Station gibt es in unserem Kreuzweg nicht.

Dort wo sie zu sehen wäre, stehen im Gottesdienst die Meßdiener. Ihr Dasein gibt Zeugnis von dem, was uns diese Station zu sagen hätte: Jesus ist nicht im Grab geblieben. Er lebt! Die Sache Jesu geht weiter, auch heute und hier in Weitmar-Mark!

Abschlußgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, wir danken dir, daß du durch den Tod und die Auferstehung deines Sohnes unser Leben erneuert hast. Gib, daß wir durch die Teilnahme am Kreuzweg bereit werden, unser Kreuz geduldig und beharrlich zu tragen und dir treu zu dienen. Schenke allen, für die wir gebetet haben, deine Gnade und führe unsere Verstorbenen zur Auferstehung. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.

(Der dritte Punkt jeder Station und das Abschlußgebet sind dem Gotteslob, Nr. 775, entnommen.)
Nicolaus Klimek