Unsere Kirche

Begrüßung

Mehr als 12 Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten waren in Kriegsgefangenschaft. Sie haben in über 9.000 Lagern gelebt bzw. „gehaust“. Viele arbeiteten unter härtesten Bedingungen. Die das überlebt haben und zurückgekehrt sind, haben davon auf vielfältige Weise berichtet. Sie haben eine Stätte geschaffen, die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum, die Ausdruck ihrer Dankbarkeit vor Gott über ihre glückliche Heimkehr ist. Nachfolgende Generationen sollen erinnert werden: Das Recht auf Freiheit und Menschenwürde ist nicht selbstverständlich. Es muss stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden.

In der Krypta der Kirche befindet sich ein Museum. Es zeigt zahlreiche Gegenstände, die in den Lagern entstanden sind. Hinzu kommen eindrucksvolle Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lagerinsassen sowie eine Reproduktion der so genannten „Stalingradmadonna“. Auch für junge Menschen sind Kirche und Krypta in zweierlei Hinsicht lohnenswert. Zum einen erhalten sie Einblick in die dunklen Jahre der Geschichte. Zum anderen vermittelt der Ort ein tieferes Verständnis für ein Leben in Frieden und Freiheit.

Vikar August Halbe, fünf Jahre kriegsgefangener Priester im Ural, ließ aus Dank für die Rettung aus der Lagerhaft die Kirche errichten. Unterstützung erhielt er dabei vom Pfarrer der Pfarrei St. Franziskus Bochum-Weitmar, Adolf Ostendorf. Der Plan zum Bau der Dankeskirche wurde 1955 der Öffentlichkeit vorgestellt. Unterstützt durch den 1956 gegründeten Kirchbauverein konnten zwei Jahre später 20 Heimkehrer den ersten Spartenstich vollziehen. Am 12.12.1959 weihte Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach (Essen) die Kirche. Sie trägt den Namen „Heilige Familie“ und erinnert an die Heimkehr der Familie Jesu aus Ägypten. Seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz und ist seit 01.09.2008 Filialkirche der neuen Gemeinde St. Franziskus Bochum-Weitmar.

Die Kirche ist ein Erinnerungsort von nationalem Rang, in der die historische und religiöse Erinnerung einer Generation von Kriegsteilnehmern ihren Ausdruck gefunden hat. Die architektonische Konzeption, die Krypta und das Bildprogramm der Fenster („Straße des Krieges“) stellen eine Gesamtheit dar. Mit dem großen Chorfenster „Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen“ hat beispielsweise der Maler Wilhelm de Graaf als Kriegsteilnehmer seinen Dank ausgedrückt.

Von 1960 bis 2009 versammelten sich zahlreiche ehemalige Kriegsheimkehrer aus ganz Deutschland alljährlich am Sonntag nach Pfingsten (Dreifaltigkeitssonntag) zu ihrem alljährlichen „Heimkehrer-Danktag“.

Dieses Erbe der Heimkehrer wollen junge und alte Gemeindemitglieder auch weiterhin pflegen und erhalten.


Pfarrer Norbert Humberg

Adresse:
Karl-Friedrich-Str. 109
(Angabe im Navigationssystem: Karl-Friedrich-Str. 111)
D – 44795 Bochum-Weitmar  


Kontakt und Informationen:
Kath. Kirchengemeinde St. Franziskus Gemeindebüro
Franziskusstr. 11
44795 Bochum
Tel.: 0234 431172
E-Mail: St.Franziskus.Bochum-Weitmar@bistum-essen.de
Internet: http://www.st-franziskus-bochum.de


Kirchen- und Krypta-Führungen:
Nach vorheriger Terminvereinbarung über das Gemeindebüro jederzeit und ganzjährig für Gruppen möglich.  


Gottesdienste:
Sonntags, 10:00 Uhr (Hochamt)

Im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 war die Heimkehrer-Dankeskirche eine von 52 spirituellen Kulturtankstellen im Bistum Essen.

Entstehung und Bedeutung

Nach Überleben seiner harten Gefangenschaftsjahre und glücklicher Rückkehr in die Heimat war die innere Anregung, eine "Heimkehrer-Dankeskirche" zu bauen, im Herzen des Priesters und damaligen Vikars August Halbe aus Ottfingen im Sauerland zum festen Entschluß herangereift. Diese Kirche sollte den Charakter einer Stätte des Dankes für die Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft und eines Mahnmals für Versöhnung und Frieden erhalten. August Halbe erhielt seine erste Stelle als Vikar 1950 in St. Franziskus, Bochum-Weitmar, das damals zur Erzdiözese Parderborn gehörte. Er sprach in den Gruppen und Vereinen der Gemeinde über seine Idee von der Errichtung einer solchen Kirche zur Ehr Gottes. Bei allen, denen der grauenvolle Krieg mit seinen tragischen Folgen noch lebendig im Bewußtsein stand, fand er ein gutes Echo und weitere Zustimmung. Zum 7. Jahrestag seiner Heimkehr schrieb Vikar Halbe sein Büchlein "5 Jahre Kriegsgefangener Priester im Ural" und trug damit seine Gedanken weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus.

Nachdem der Plan, in Bochum-Weitmar die "Heimkehrer-Dankeskirche" zu bauen, im Advent 1955 über Presse und Rundfunk veröffentlicht worden war, richtete Vikar Halbe folgendes Schreiben an den im März 1950 in der Bundesrepublik gegründeten "Verband der Heimkehrer e.V.":

"Die Heimkehrer errichten in Bochum eine Dankeskirche! Als der Patriarch Jakob nach langem Aufenthalt in der Fremde heimkehrte, errichtete er auf heimatlichem Boden einen Dankaltar. Auch wir Heimkehrer aus Krieg und Gefangenschaft haben allen Grund, eine Dankeskirche mit einem Dankaltar zu errichten. Diese Dankeskirche, die in Bochum stehen wird, soll unserer Generation und der Nachwelt die Mahnung des Apostels Paulus wach halten:

Seid dankbar!

In 5 Kriegsjahren und 11 Nachkriegsjahren ist der Himmel mit Bitten um die Rückkehr der Soldaten und Gefangenen bestürmt worden. Unser Beten aber wäre ein Stückwerk, wenn nach der Erhörung der Bitten nicht ebenso inständig gedankt würde.

Nun ist es an der Zeit, schriftlich mit allen in Verbindung zu treten, denen an der Einrichtung der Dankeskirche gelegen ist. Ich bin überzeugt, daß niemand, der sich vor Gott für die eigene Heimkehr oder für die Heimkehr eines lieben Verwandten und guten Bekannten schuldig weiß, diesen Aufruf zu tätigen Mithilfe unbedacht läßt.

Die Kirche wird der heiligen Familie von Nazareth geweiht unter dem besonderen Aspekt ihrer Heimkehr aus Ägypten nach Nazareth. Alljährlich soll das heilige Meßopfer am Fest der heiligen Familie zum Dank für glückliche Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft und für alle Wohltäter der Dankeskirche gefeiert werden.

Lasset uns Dank abstatten dem Herrn, unserem Gott! Es ist würdig und recht!

Mit unitarischem Gruß
August Halbe, Vikar
Spätheimkehrer
Bochum-Weitmar, Franziskusstraße 25
am Fest der Hl. Familie 1956

Viele Heimkehrer horchten auf! Erinnerungen an stille Vorsätze oder Gelübde, die sie in der bittersten Zeit ihres Lebens gemacht hatten, wurden wieder wach. Die erste Gabe war der Beitrag des Heimkehrergeldes, das ein in der Heimat Genesender für den beabsichtigten Kirchenbau auf den Tisch legte. Viele Gaben von nah und fern, von arm und reich, folgten.

 

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck  von Essen besucht am 10. Dezember 2010 die Heimkehrer-Dankeskirche (Foto: Hermann Haferkamp)