Begrüßung
Die Heimkehrer-Dankeskirche "Heilige Familie - Heimkehr aus Ägypten" in Bochum-Weitmar ist wohl die einzige Kirche mit diesem Titel und diesem Anliegen. Sie wurde in den Jahren 1958/59 durch die Initiative des Spätheimkehrers Pfarrvikar August Halbe errichtet
Durch den Heimkehrer-Danktag, der seit der Gründung der Kirche alljährlich am Dreifaltigkeitssonntag mit mehreren tausend Teilnehmern aus NRW und darüber hinaus stattfindet, ist sie weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt geworden.
Im Jahre 1986 wurde die Krypta durch einen Anbau und einen Nebenraum vergrößert. Beim 27. Heimkehrer-Danktag am 25. Mai 1986 ist sie mit feierlicher Segnung durch Herrn Prälat Dechant E. Donders neu eröffnet worden. In den Erweiterungsräumen sind sehr eindrucksvolle Bilder und Gegenstände aus Kriegsgefangenschaft und Lagerleben ausgestellt, die als Erinnerungsstücke gleichzeitig eine Mahnung zu Versöhnung und Frieden sein sollen.
Immer mehr Besucher - einzeln und in Gruppen - melden sich zur Besichtigung. Dabei wurde wiederholt nach einer Beschreibung der Kirche, ihrer bedeutungsvollen Fenster und der Krypta gefragt.
In dem Menupunkt 'Unsere Kirche' wird Ihnen die Möglichkeit geboten, mehr über unsere Kirche zu erfahren.
Norbert Humberg
Pfarrer
Ansprechpartner
Ansprechpartner für Interessierte, die an einer Kirchenführung teilnehmen möchten sind:
- Alfons Stiewe (Tel.: 0234 471 525)
- Christian Herker (Tel.: 0234 473 453)
Im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 war die Heimkehrer-Dankeskirche eine von 52 spirituellen Kulturtankstellen im Bistum Essen.

Entstehung und Bedeutung
Nach Überleben seiner harten Gefangenschaftsjahre und glücklicher Rückkehr in die Heimat war die innere Anregung, eine "Heimkehrer-Dankeskirche" zu bauen, im Herzen des Priesters und damaligen Vikars August Halbe aus Ottfingen im Sauerland zum festen Entschluß herangereift. Diese Kirche sollte den Charakter einer Stätte des Dankes für die Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft und eines Mahnmals für Versöhnung und Frieden erhalten. August Halbe erhielt seine erste Stelle als Vikar 1950 in St. Franziskus, Bochum-Weitmar, das damals zur Erzdiözese Parderborn gehörte. Er sprach in den Gruppen und Vereinen der Gemeinde über seine Idee von der Errichtung einer solchen Kirche zur Ehr Gottes. Bei allen, denen der grauenvolle Krieg mit seinen tragischen Folgen noch lebendig im Bewußtsein stand, fand er ein gutes Echo und weitere Zustimmung. Zum 7. Jahrestag seiner Heimkehr schrieb Vikar Halbe sein Büchlein "5 Jahre Kriegsgefangener Priester im Ural" und trug damit seine Gedanken weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus.
Nachdem der Plan, in Bochum-Weitmar die "Heimkehrer-Dankeskirche" zu bauen, im Advent 1955 über Presse und Rundfunk veröffentlicht worden war, richtete Vikar Halbe folgendes Schreiben an den im März 1950 in der Bundesrepublik gegründeten "Verband der Heimkehrer e.V.":
"Die Heimkehrer errichten in Bochum eine Dankeskirche! Als der Patriarch Jakob nach langem Aufenthalt in der Fremde heimkehrte, errichtete er auf heimatlichem Boden einen Dankaltar. Auch wir Heimkehrer aus Krieg und Gefangenschaft haben allen Grund, eine Dankeskirche mit einem Dankaltar zu errichten. Diese Dankeskirche, die in Bochum stehen wird, soll unserer Generation und der Nachwelt die Mahnung des Apostels Paulus wach halten:
Seid dankbar!
In 5 Kriegsjahren und 11 Nachkriegsjahren ist der Himmel mit Bitten um die Rückkehr der Soldaten und Gefangenen bestürmt worden. Unser Beten aber wäre ein Stückwerk, wenn nach der Erhörung der Bitten nicht ebenso inständig gedankt würde.
Nun ist es an der Zeit, schriftlich mit allen in Verbindung zu treten, denen an der Einrichtung der Dankeskirche gelegen ist. Ich bin überzeugt, daß niemand, der sich vor Gott für die eigene Heimkehr oder für die Heimkehr eines lieben Verwandten und guten Bekannten schuldig weiß, diesen Aufruf zu tätigen Mithilfe unbedacht läßt.
Die Kirche wird der heiligen Familie von Nazareth geweiht unter dem besonderen Aspekt ihrer Heimkehr aus Ägypten nach Nazareth. Alljährlich soll das heilige Meßopfer am Fest der heiligen Familie zum Dank für glückliche Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft und für alle Wohltäter der Dankeskirche gefeiert werden.
Lasset uns Dank abstatten dem Herrn, unserem Gott! Es ist würdig und recht!
Mit unitarischem Gruß
August Halbe, Vikar
Spätheimkehrer
Bochum-Weitmar, Franziskusstraße 25
am Fest der Hl. Familie 1956
Viele Heimkehrer horchten auf! Erinnerungen an stille Vorsätze oder Gelübde, die sie in der bittersten Zeit ihres Lebens gemacht hatten, wurden wieder wach. Die erste Gabe war der Beitrag des Heimkehrergeldes, das ein in der Heimat Genesender für den beabsichtigten Kirchenbau auf den Tisch legte. Viele Gaben von nah und fern, von arm und reich, folgten.

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck von Essen besucht am 10. Dezember 2010 die Heimkehrer-Dankeskirche (Foto: Hermann Haferkamp)